Wie sieht eigentlich moderne Medienarbeit auf Augenhöhe aus?
Eine die ganz ohne Marktgeschrei funktioniert.
Saskia Sass ist unsere Expertin für strategische PR im FreelancerPool. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, warum gute Geschichten das Fundament für Sichtbarkeit sind und wie viel skandinavische Gelassenheit in ihrem kreativen Arbeitsalltag steckt.
Was auch immer es ist – die Art und Weise, wie du deine Geschichte online vermittelst, kann einen gewaltigen Unterschied ausmachen.
Saskia, strategische PR und Corporate Communications klingen für viele KMU erst mal nach Großkonzern. Warum profitieren gerade kleinere und mittlere Unternehmen enorm davon, wenn sie ihre Kommunikation von Anfang an professionell aufsetzen?
Kleine und mittlere Unternehmen haben oft einen Vorteil: Durch ihre überschaubaren Strukturen sind Entscheidungswege meist kürzer, Abstimmungen weniger komplex und sie können schneller reagieren. Gleichzeitig sind die Verantwortlichen oft sehr nah an den eigenen Themen, Kund:innen, Märkten und Herausforderungen.
Eine professionell aufgesetzte Kommunikation hilft dabei, diese Nähe und Flexibilität sinnvoll zu nutzen – etwa, wenn Medien kurzfristig anfragen, aktuelle Entwicklungen eingeordnet werden müssen oder ein neues Projekt kommunikativ begleitet werden soll. Wer dann weiß, wofür die Organisation steht, wer sie nach außen vertritt und welche Botschaften tragen, kann Chancen nutzen, ohne jedes Mal bei null anzufangen.
Dafür braucht es weder ein unbegrenztes Budget noch ein überdimensioniertes Strategiekonzept. Es braucht vor allem eine klare Richtung und die Bereitschaft, langfristig in Kommunikation zu investieren. Einzelne Aktionen können Aufmerksamkeit schaffen, nachhaltige Sichtbarkeit und Reputation entstehen jedoch über Zeit.
Deshalb sollte früh geklärt sein: Wofür möchte das Unternehmen wahrgenommen werden? Welche Themen kann es glaubwürdig besetzen? Eine verlässliche Positionierung und ein praxisnaher Kommunikationsfahrplan schaffen dafür die Grundlage. So können KMU konsistent auftreten, ihre Expertise sichtbar machen und Vertrauen aufbauen.
Du bietest das volle Paket von der Positionierung über Medienarbeit bis zum Storytelling an. Wenn ein Unternehmen noch völlig unsichtbar ist: An welchem Hebel setzt du in der Praxis als Erstes an?
Zu Beginn möchte ich verstehen, wo ein Unternehmen steht, wohin es sich entwickeln und warum es überhaupt kommunikativ aktiv werden will. Geht es um Sichtbarkeit, Vertrauen, eine stärkere Position im Markt, die Wahrnehmung als Experte oder etwas ganz anderes? Ich schaue mir an, was bereits vorhanden ist: Welche Substanz und Themen gibt es? Wo liegen unternehmerische und kommunikative Stärken, wo sehe ich Lücken? Und welcher Weg passt tatsächlich zur Organisation, zu den Menschen dahinter und zur Zielgruppe?
Erst daraus leite ich ab, welche Form der Kommunikation sinnvoll ist – und ob klassische PR überhaupt die richtige Antwort ist. Ich habe auch schon Anfragen abgelehnt, bei denen es im Kern nur darum ging, möglichst schnell das Logo eines bekannten Mediums auf der Website zu zeigen. Es braucht relevante Inhalte und die echte Bereitschaft, Sichtbarkeit über Zeit aufzubauen.
Dir sind Vertrauen, Verlässlichkeit und ein Miteinander auf Augenhöhe besonders wichtig. Woran merkt ein Kunde schon im ersten Beratungsgespräch, dass du die Zusammenarbeit partnerschaftlich lebst und nicht nur Dienst nach Vorschrift machst?
Schon im ersten Gespräch höre ich genau hin und stelle viele Fragen. Neben dem konkreten Briefing interessiert mich, was das Unternehmen antreibt, wo es hakt, welche Erwartungen im Raum stehen und wie die Menschen auf der anderen Seite arbeiten. Ich sage offen, was ich für sinnvoll und realistisch halte. Dazu gehört auch, kritische Punkte anzusprechen oder von einer Idee abzuraten. Schönfärberei hilft in der Beratung niemandem.
Gleichzeitig braucht gute Kommunikation aus meiner Sicht echtes gemeinsames Engagement. Ein „Mach du mal PR“ funktioniert selten. Ich bringe Erfahrung, einen klaren Blick von außen und viel Einsatz mit; auf Kundenseite brauche ich Offenheit, Wissen aus dem Unternehmen und die Bereitschaft zum Austausch. Und natürlich muss es auch menschlich passen. Wenn Interesse, Vertrauen und Begeisterung vorhanden sind, entsteht eine Zusammenarbeit, in der wir sehr viel bewegen können.
Du hast im Profil geschrieben, dass du für ein starkes Ergebnis gerne die Extrameile gehst, wenn es sinnvoll ist. Gab es in der letzten Zeit ein Projekt oder eine Story, bei der sich diese Beharrlichkeit für den Kunden so richtig ausgezahlt hat?
Ja, die sogenannte „Extrameile“ ist für manche Projekte wichtig, auch wenn ich mit dem Begriff an sich etwas vorsichtig umgehe. Gute Beratung hat für mich klare Leistungen und Grenzen. Beharrlichkeit spielt in meinem Job allerdings eine große Rolle und gehört definitiv zu meinen Stärken: Ich bleibe dran und prüfe unterschiedliche Zugänge, wenn eine Geschichte noch nicht trägt oder eine andere Perspektive braucht.
Ein Beispiel ist meine Arbeit für ein Projekt zur Förderung der digitalen Teilhabe älterer Menschen. Ich habe die Pressearbeit in der Anfangsphase mitaufgebaut und das Team dabei unterstützt, mit begrenztem Budget in der Region bekannter zu werden. Dafür recherchierte ich passende Medienkontakte, schnitt Themen und Veranstaltungshinweise auf die jeweiligen Redaktionen zu und fasste immer wieder telefonisch und schriftlich nach. So entstand eine kontinuierliche Präsenz in lokalen Medien und wir erreichten genau die Senior:innen, für die das Angebot gedacht war. Laut Projektleitung stiegen die Teilnehmendenzahlen in dieser Zeit um rund ein Drittel.
Solche Erfolgsgeschichten schreibe ich aber nicht allein. Gute Kommunikation entsteht immer gemeinsam: mit den Teams auf Kundenseite, mit Expert:innen und Journalist:innen.
Du liebst gute Geschichten in Serien und Romanen und ziehst dich gerne ans Meer oder nach Skandinavien zurück. Wie viel von dieser skandinavischen Gelassenheit und der Liebe zu guten Storys nimmst du mit in deinen kreativen Arbeitsalltag?
Von der skandinavischen Gelassenheit könnte ich im Arbeitsalltag manchmal noch etwas mehr gebrauchen. Umso deutlicher merke ich, wie gut mir der Abstand tut, wenn ich am Meer oder in Skandinavien bin. Dann bleibt der Laptop zu, das Smartphone wird hauptsächlich zur Kamera und der Kopf bekommt wieder Raum. Natur, Weite und Stille helfen mir, Gedanken zu sortieren und mit neuer Energie auf Themen zu schauen.
Interessanterweise spiegeln mir Kund:innen genau diese Qualitäten häufig in der Zusammenarbeit zurück: dass ich Ruhe, Klarheit, Struktur und Fokus in komplexe Fragestellungen und volle Arbeitsalltage bringe. Vielleicht nehme ich also doch mehr von dieser Gelassenheit mit in meinen Beruf, als mir selbst manchmal bewusst ist.
Meine Liebe zu guten Geschichten begleitet mich dagegen kontinuierlich im Job. Mich interessiert, was Menschen bewegt, welche Perspektive eine Geschichte spannend macht und welches Detail einen Zugang zu einem zunächst sperrigen Thema eröffnen kann. In der PR suche ich deshalb immer nach dem erzählenswerten Kern und nach einer Form, die zur Person, zur Organisation, zum Medium und zu den jeweiligen Zielgruppen passt. Ich mag Geschichten mit Substanz und Zwischentönen. Sie dürfen leise oder laut sein – solange sie relevant sind und gut und ehrlich erzählt werden.
Zum Schluss der Blick auf den FreelancerPool: Was schätzt du an der Community am meisten und wie hilft dir das Netzwerk dabei, für deine Kunden noch flexiblere Lösungen anzubieten?
Am FreelancerPool schätze ich vor allem dieses Gefühl: frei, aber nicht allein. Der Austausch mit anderen Selbstständigen ist fachlich wertvoll, aber auch die persönliche Ebene stimmt. Wir können Erfahrungen teilen, uns gegenseitig empfehlen und bei Bedarf unkompliziert auf zusätzliche Expertise zurückgreifen. Für meine Kund:innen ist das sehr praktisch. Für Disziplinen, die ich nicht selbst abdecke, kann ich bei Bedarf passende Spezialist:innen empfehlen oder bei größeren Projekten Kompetenzen zusammenbringen.
Gleichzeitig finde ich wichtig, dass der FreelancerPool Solo-Selbstständige als erfahrene Expert:innen sichtbarer macht. Freiberuflichkeit wird in Politik und Wirtschaft noch immer zu häufig unterschätzt oder auf kurzfristige Kapazitätsengpässe reduziert. Dabei bringen viele von uns langjährige Erfahrung, eine unabhängige Perspektive von außen, neue Impulse und eine sehr eigenverantwortliche Arbeitsweise mit, die Unternehmen und Teams stark bereichern können.
Danke an dich Saskia, dass du dir die Zeit fuer das Interview genommen hast.