KI-Texte schreiben lernen
Von generisch zu individuell: praktische Strategien für bessere Texte mit KI
ChatGPT, Claude, Perplexity oder Gemini – die Auswahl an KI-Texttools ist groß. Doch welches Tool passt für welche Aufgabe? Und wie vermeidest du generische Texte, die nach "typischer KI" klingen? Als Texterin oder Texter möchtest du effizienter arbeiten, ohne dass deine Texte ihre persönliche Note verlieren. In diesem Ratgeber zeige ich dir, wie du KI-Tools strategisch einsetzt und dabei deine eigene Markenstimme bewahrst.
Die wichtigsten KI-Tools im Vergleich
Die Landschaft der KI-Textgeneratoren ist mittlerweile kaum zu überblicken. Über 100 Anbieter kämpfen um Aufmerksamkeit. Die großen Player – OpenAI mit ChatGPT, Anthropic mit Claude und Google mit Gemini – setzen die technologischen Standards. Daneben existieren zahlreiche Spezialtools für bestimmte Branchen und Anwendungsfälle.
Hier die wichtigsten Tools für deutschsprachige Texter und ihre Stärken:
ChatGPT (OpenAI)
Stärken: Vielseitig, nimmt schnell den gewünschten Ton auf, gut für Marketingkonzepte und erste Entwürfe
Schwächen: Längere Texte nur abschnittsweise, erfindet Fakten
Ideal für: Kreative Texte, Brainstorming, erste Entwürfe
Claude (Anthropic)
Stärken: Versteht komplexe Aufgaben, bleibt bei der Tonalität, liefert durchdachte Texte
Schwächen: Braucht mehr Zeit, manchmal zu vorsichtig
Ideal für: Fachtexte, Dokumentationen, gezielte Überarbeitungen
Perplexity
Stärken: Recherchiert live im Web, belegt Quellen, hält sich an Fakten
Schwächen: Wenig kreativ, unflexibel beim Format
Ideal für: Fachartikel, Analysen, fundierte Berichte
Gemini (Google)
Stärken: Integration in Google-Tools, schnell bei einfachen Aufgaben
Schwächen: Noch in der Entwicklung, weniger kreativ als Konkurrenz
Ideal für: Schnelle Recherchen, einfache Textaufgaben
Der Schlüssel liegt in der Flexibilität: Nutze die beste KI-Lösung für deine jeweilige Aufgabe. Keine KI beherrscht alle Aspekte gleich gut – als Team ergänzen sie sich jedoch hervorragend.
Prompt-Strategien: Von schwach zu stark
Gute Texte entstehen nicht durch Zufall, sondern durch präzise Prompts. Ein starker Prompt enthält mindestens diese Elemente:
Ziel: Was soll der Text erreichen?
Zielgruppe: Für wen schreibst du?
Tonalität: Welcher Stil passt?
Format: Welche Struktur brauchst du?
Kontext: Welche Hintergrundinformationen sind wichtig?
Beispiel: Vom schwachen zum starken Prompt
Schwacher Prompt: "Schreib einen Text über Webdesign."
Starker Prompt: "Erstelle einen informativen Blogartikel für selbstständige Handwerker, die ihre Website selbst gestalten möchten. Thema: Die 5 häufigsten Webdesign-Fehler auf Handwerker-Websites. Tonalität: Klar, praxisnah und ermutigend. Umfang: 800-1.000 Wörter. Strukturiere den Text mit H2-Zwischenüberschriften für jeden Fehler. Füge bei jedem Punkt eine konkrete Lösung hinzu."
Der Unterschied? Der zweite Prompt liefert der KI alle Informationen, die sie für einen zielgerichteten Text braucht.
Prompt-Ketten für komplexe Texte
Statt alles in einer Anweisung unterzubringen, teilst du deine Aufgabe in mehrere logischen Schritte auf. Jeder Prompt baut auf dem vorherigen Ergebnis auf. Das ist wie beim Kochen: erst die Zutaten vorbereiten, dann anbraten, dann würzen.
Beispiel: Blogartikel in vier Schritten
Schritt 1: Struktur entwickeln Prompt: „Erstelle eine detaillierte Gliederung für einen Blogbeitrag zum Thema ‚Nachhaltiges Marketing'. Zielgruppe: Marketingmanager in mittelständischen Unternehmen. Umfang: 5 Hauptpunkte mit jeweils 2-3 Unterpunkten."
Schritt 2: Einleitung schreiben Prompt: „Basierend auf dieser Gliederung: [Gliederung einfügen], schreibe eine packende Einleitung für den Blogbeitrag. Beginne mit einem überraschenden Fakt zur Umweltauswirkung von Marketing. Umfang: 150-200 Wörter. Tonalität: professionell und nicht zu förmlich."
Schritt 3: Hauptteil ausarbeiten Prompt: „Entwickle nun den ersten Hauptpunkt der Gliederung: [Hauptpunkt einfügen]. Füge konkrete Beispiele und mindestens eine statistische Angabe ein. Schreibe in einem informativen, lösungsorientierten Stil."
Schritt 4: Call-to-Action formulieren Prompt: „Schreibe einen motivierenden Abschluss mit konkretem Call-to-Action. Der Leser soll zum Handeln angeregt werden. Vermeide Floskeln wie ‚In der heutigen Zeit ...' oder ‚Zusammenfassend lässt sich sagen ...'"
Prompt-Ketten funktionieren deshalb so gut, weil sich die KI jeweils nur auf einen konkreten Schritt konzentrieren muss. Dadurch kannst du bei jedem Zwischenschritt gezielt eingreifen und Fehler direkt ausmerzen.
Anti-Halluzination: So prüfst du KI-Texte auf Fakten
KI halluziniert. Das heißt, sie erfindet manchmal Fakten, die plausibel klingen, aber falsch sind. Besonders bei Zahlen, Studien und Zitaten ist Vorsicht geboten.
Checkliste für den Faktencheck
Zahlen und Statistiken überprüfen: Suche die Originalquelle
Namen und Funktionen checken: Existiert diese Person wirklich?
Studien verifizieren: Gibt es diese Studie tatsächlich?
Zeitliche Einordnung prüfen: Sind die Informationen aktuell?
Quellen selbst lesen: Verlasse dich nicht auf die KI-Zusammenfassung
Perplexity als Recherche-Tool nutzen: Perplexity liefert oft beeindruckend präzise Informationen mit zitierten Quellen. Dennoch gilt auch hier: Vertraue, aber prüfe! Lies die verlinkten Quellen selbst an – besonders bei Zahlen, Zitaten oder sensiblen Themen. Achte auf Veröffentlichungsdatum, Urheber und Seriosität.
Markenstimme bewahren: Von generisch zu individuell
Der häufigste Fehler beim Texten mit KI: Die Texte klingen austauschbar. Sie haben keine persönliche Note. So vermeidest du das:
1. Erstelle einen Tone-of-Voice-Leitfaden
Definiere deine Markenstimme konkret:
Welche Wörter nutzt du oft? (Beispiele aufschreiben!)
Welche Wörter vermeidest du? (Verbotsliste erstellen!)
Wie lang sind deine Sätze typischerweise?
Duzt oder siezt du?
Nutzt du Emojis? Wenn ja, welche und wie oft?
Beispiel-Prompt mit Tone-of-Voice: "Schreibe einen Social-Media-Post über unser neues Angebot. Nutze diese Tonalität: Freundlich und direkt, duze die Leser, vermeide Fachjargon. Verwende kurze Sätze (maximal 15 Wörter). Nutze diese typischen Formulierungen: ‚Das bedeutet für dich:', ‚Klingt gut?', ‚Lass uns darüber sprechen'. Vermeide Floskeln wie ‚innovativ', ‚ganzheitlich' oder ‚zukunftsweisend'."
2. Arbeite mit konkreten Beispielen
Je mehr konkrete Beispiele du der KI gibst, desto besser lernt sie deinen Stil:
"Hier sind drei Beispiele meiner bisherigen Texte: [Beispiele einfügen]. Schreibe den neuen Text im gleichen Stil."
3. Iteriere und verfeinere
Nimm den ersten KI-Entwurf als Basis und verfeinere ihn schrittweise:
"Mach den Text persönlicher"
"Ersetze Fachjargon durch einfache Sprache"
"Füge eine persönliche Anekdote hinzu"
"Kürze die Sätze auf maximal 15 Wörter"
Verkaufspsychologie in Prompts nutzen
Auch wenn KI keine Emotionen hat, sie kann Texte erzeugen, die Menschen emotional berühren und zum Handeln bewegen. Voraussetzung: Du führst sie mit psychologischem Know-how.
Die fünf wichtigsten psychologischen Prinzipien
Beispiel-Prompt mit Verkaufspsychologie
"Schreibe eine verkaufsstarke Produktbeschreibung für unser ergonomisches Notizbuch. Zielgruppe: Selbstständige im Homeoffice. Trigger: Baue Autorität ein, indem du erwähnst, dass es von Ergonomie-Experten empfohlen wird. Nutze Social Proof, indem du auf über 5.000 zufriedene Kunden verweist. Füge einen Knappheits-Trigger hinzu: ‚Nur noch bis Ende der Woche zum Einführungspreis'."
KI-Tools clever kombinieren
Die besten Ergebnisse erzielst du oft durch die Kombination verschiedener KI-Tools. Hier zwei bewährte Workflows:
Workflow 1: Die Kreativ-Kombination
ChatGPT für den ersten Entwurf: Nutze gespeicherte Projekte für konsistente Ergebnisse. Gib ein detailliertes Briefing für Tonalität und Zielgruppe.
Claude für die Veredelung: Eine einfache Anweisung genügt: „Formuliere das natürlicher und emotionaler". Claude verstärkt die menschliche Note und macht den Text authentischer.
Workflow 2: Die Recherche-Style-Kombination
Perplexity für die Recherche – Du bekommst aktuelle Daten mit zitierten Quellen. Fachwissen wird übersichtlich strukturiert.
Quellen prüfen – Lies die verlinkten Quellen selbst an, besonders bei Zahlen, Zitaten oder sensiblen Themen.
ChatGPT für die Feinarbeit – Füge die Texte samt Quellen in ChatGPT ein. Weise an: „Optimiere den Stil, behalte aber alle Fakten und Quellen bei".
Typische Fehler vermeiden
❌ Zu lange Prompts: KI verarbeitet Informationen besser in strukturierten Häppchen statt in Textwüsten.
❌ Zu vage Anweisungen: "Schreib einen guten Text" führt zu generischen Ergebnissen.
❌ Fehlender Faktencheck: Verlass dich nie blind auf KI-generierte Informationen.
❌ Keine Überarbeitung: Der erste KI-Entwurf ist selten der beste. Verfeinere iterativ.
❌ Identische Prompts für verschiedene Zielgruppen: Passe deine Prompts immer an die spezifische Zielgruppe an.
Praktische Tipps für deinen Alltag als Texter
Tipp 1: Baue dir eine Prompt-Bibliothek auf
Speichere erfolgreiche Prompts für wiederkehrende Aufgaben. So sparst du Zeit und erzielst konsistente Ergebnisse.
Beispiele für Kategorien:
Social-Media-Posts: LinkedIn, Instagram, Facebook
E-Mail-Kommunikation: Angebote, Follow-ups, Absagen
Blogartikel: Einleitungen, Übergänge, Call-to-Actions
Produktbeschreibungen nach Branche
Tipp 2: Teste verschiedene Tools für denselben Text
Lass ChatGPT und Claude denselben Text schreiben und vergleichen. Du entwickelst schnell ein Gefühl dafür, welches Tool für welche Aufgabe am besten passt.
Tipp 3: Nutze die 80/20-Regel
Lass die KI 80 % der Arbeit machen: Struktur, erste Formulierungen, Recherche. Die letzten 20 %: deine persönliche Note, Faktencheck, Feinschliff machst du selbst.
Tipp 4: Setze auf Iterationen statt Perfektion
Der erste Entwurf muss nicht perfekt sein. Arbeite in mehreren Durchgängen: Erst Struktur, dann Inhalt, dann Stil, dann Feinschliff.
Weiterführende Ressourcen
Wer tiefer einsteigen möchte: Das Praxisbuch „Smarter texten mit KI" (O'Reilly-Verlag, Herausgeber: Felix Beilharz) bietet umfassende Anleitungen zu Prompt-Rezepten, Prompt-Ketten, Faktencheck-Strategien und Team-Workflows. Die Autorin Ursula Martens ist Werbetexterin mit fast 20 Jahren Erfahrung und gibt auch Workshops & Kurse zu KI-Texten. In Präsenz und online.
KI als Werkzeug, nicht als Ersatz
KI-Tools wie ChatGPT, Claude, Perplexity und Gemini sind mächtige Werkzeuge – aber nur, wenn du sie richtig einsetzt. Der Schlüssel liegt in:
Präzisen Prompts mit klaren Zielvorgaben
Prompt-Ketten für komplexe Texte
Gründlichem Faktencheck bei allen Angaben
Bewahrung deiner Markenstimme durch konkrete Vorgaben
Strategischer Kombination verschiedener Tools
Die beste KI-Strategie? Lass die KI die Roharbeit machen – Struktur, erste Entwürfe, Recherche. Die Feinarbeit – deine persönliche Stimme, Kreativität und Qualitätskontrolle – bleibt bei dir. So arbeitest du effizienter, ohne dass deine Texte ihre Authentizität verlieren.
Die Autorin
Ursula Martens ist Autorin, ChatGPT-Trainerin und Werbetexterin mit fast 20 Jahren Erfahrung. Seit 2007 arbeitet sie als Inhaberin von WORTKIND für Unternehmen aller Größen und Branchen. Sie ist als IHK-Trainerin gelistet, gibt ChatGPT-Workshops in Unternehmen und befindet sich in der Ausbildung zur AI-Strategist & AI-Trainer.